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01.09.2016 Aktuelles

Flourid in Zahnpasta


"Zahnpasta gilt dann als gut, wenn sie nicht nur ordentlich säubert, sondern auch vor Karies schützt. Dafür ist der Inhaltsstoff Fluorid zuständig. Doch ausgerechnet diese Substanz gilt vielen als pures Gift. Zu Recht? FOCUS Online macht den Fakten-Check" (Quelle: FOCUS online Stand: 01.09.2016)

 

 

Text FOCUS online vom 01.09.2016:


"Giftiges Fluorid?

So gefährlich ist der Stoff in der Zahnpasta wirklich

Donnerstag, 01.09.2016, 10:20 · · von FOCUS-Online-AutorinPetra Apfel

Zahnpasta gilt dann als gut, wenn sie nicht nur ordentlich säubert, sondern auch vor Karies schützt. Dafür ist der Inhaltsstoff Fluorid zuständig. Doch ausgerechnet diese Substanz gilt vielen als pures Gift. Zu Recht? FOCUS Online macht den Fakten-Check.

  • Fluorid ist giftig, aber nicht in der Zahnpasta-Dosierung.
  • Wer auf Zucker verzichtet, braucht kein Fluorid in der Zahncreme.
  • Kinder sollten nur fluoridarme Zahnpasta benutzen.

Als die Stiftung Warentest kürzlich Zahnpasta testete, fielen die Bio-Produkte gnadenlos durch. Die Begründung: Sie enthalten kein Fluorid, den Garanten für Kariesschutz. Die schlechte Bewertung durch die Warentester brachte wiederum die Öko-Fans auf die Palme. Für sie ist Fluorid pures Gift, das nicht in eine Zahnpasta gehört.

Fluor, Fluorid – das steckt dahinter

Fluoride sind die Salze von Fluor, einem reaktionsfreudigen und hochgiftigen Gas. Fluoride kommen überall in der Natur vor. Sie stecken in Lebensmitteln wie Schwarztee, Fisch oder Mineralwasser. Auch der menschliche Körper enthält Fluorid, vor allem in Knochen und Zähnen.

In Zahncremes wird meist Natriumfluorid eingebaut. In Produkten für Erwachsene – das sollte auf der Tube vermerkt sein – liegt die Konzentration bei maximal 1450 ppm (parts per million). In Kinder-Zahnpasta darf sie 500 ppm nicht überschreiten. Das entspricht einem  Fluoridanteil von maximal 0,15 Prozent in Erwachsenenpasten und 0,05 Prozent in Zahnpasta für Kinder.

Diese Mengen sind weit vom Grenzwert entfernt, über dem Fluoride giftige Wirkung entfalten: Die sicher toxische Dosis liegt bei 32 bis 64 mg Fluorid pro Kilogramm Körpergewicht. Bei Kleinkindern liegt die wahrscheinlich toxische Dosis bei 5 mg Fluorid pro Kilogramm Körpergewicht.

Deshalb ist Fluorid in der Zahnpasta

Fluorid schützt die Zähne vor Karies, weil es die übliche Zerstörungskaskade verhindert:

Bakterien der Mundflora verwandeln Nahrungszucker in Säuren. Diese Säuren lösen Mineralien aus dem Zahnschmelz heraus. Normalerweise sorgt der Speichel für die nötige Remineralisierung. Bei zu viel Zuckerzufuhr schafft er das aber nicht mehr.

Hier kommen Zahnpasta-Fluoride ins Spiel. Sie legen sich wie ein Schutzfilm um die Zähne, reduzieren so die Säurebildung im Mund und sorgen dafür, dass die festigenden Mineralien im Zahnschmelz bleiben. Sie helfen außerdem dabei, die Kalziumphosphate aus dem Speichel schneller in den Zahnschmelz einzubauen.

Das werfen Fluorid-Gegner der Substanz vor

Fluorid-Gegner vertrauen allein auf den Kariesschutz des gesunden Speichels und sorgfältiges Zähneputzen. Das giftige Fluorid habe nichts im Mund (und im Körper) zu suchen, auch nicht in kleinen Mengen.

Sie vermissen konkrete Informationen zur sicheren Fluoriddosis und warnen vor möglichen langfristigen Folgeerkrankungen durch eine ständige erhöhte Fluoridzufuhr. Die Substanz befindet sich nicht allein in Zahnpasta. Es gibt Speisesalz mit Extra-Fluorid. In manchen Ländern wird sie sogar dem Trinkwasser zugesetzt, etwa in großen Teilen der USA, in Kanada oder Australien.

Die Kritiker bringen Fluoride mit zahlreichen Leiden in Verbindung, wie ArthritisDiabetes, Schilddrüsenerkrankungen, Nierenleiden und sogar Krebs.

Die toxische Wirkung von Fluoriden werde klein geredet. So könne ein Kleinkind tödlich vergiftet werden, wenn es den Inhalt einer Tube Zahnpasta verschluckt.

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Das sagen die Experten

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat keinen Wert für einen täglichen Fluoridbedarf festgelegt, da Fluorid kein essentielles Spurenelement ist. Auch für Deutschland gibt es keine exakten Zufuhrdaten für Fluorid. Das Bundesamt für Risikobewertung stellt allerdings fest: „Die tägliche Fluoridaufnahme der Bevölkerung in Deutschland ist gering.“

Laut Stiftung Warentest nimmt ein Erwachsener hierzulande täglich schätzungsweise zwischen 0,4 und 1,5 Milligramm auf. Das ist weit entfernt vom täglichen Richtwert von circa 3,5 Milligramm, den die Deutschen Gesellschaft für Ernährung für Erwachsene angibt - und noch weiter entfernt von einer gesundheitlichen Gefährdung. Dafür müsste ein Erwachsener über längere Zeit täglich mindestens 10 Milligramm Fluorid aufnehmen.

Das Zahnpasta-Fazit

Fluorid wirkt im Körper nur durch Verschlucken. Ein Risiko durch fluoridierte Zahnpasten besteht nicht, wenn der Mund nach dem Putzen ausgespült wird. Selbst bei versehentlichem Verschlu­cken während des Zähneputzens besteht keine Gefahr. Dass ein Kind den Inhalt einer ganzen Tube Zahnpasta verschluckt, ist eine eher theoretische Lebensgefahr.

Trotzdem ist es ratsam, die Fluorid-Zufuhr bei Kindern zu begrenzen. Fluorid lagert sich während der Zahnbildung direkt in den Schmelz ein. Dadurch können weiße Flecken oder Streifen, sogenannte Fluorosen, entstehen. Aus diesem Grund sollten Kinder bis zum Alter von sechs Jahren spezielle, fluoridreduzierte Zahnpasten benutzen.

Für den Zusammenhang von Krankheitsrisiken und Fluorid fehlen belastbare Nachweise. So stellten Forscher selbst in Ländern mit fluoridiertem Trinkwasser kein Zusammenhang zwischen einem höheren Krebsrisiko und der Aufnahme von Fluorid fest."
(Quelle:http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/zaehne/vorbeugung/fluorid-so-gefaehrlich-ist-der-stoff-in-der-zahnpasta-wirklich_id_5872918.html Stand: 01.09.2016)